8. Internationale Warmwasserfahrt am Meleg Viz
Ein ungarisches Wintermärchen
Wer hat nicht schon an einem
schönen Winterwochenende, ausgerüstet mit Neopren und Pudelhaube, eine kleine
Aus-fahrt unternommen? Zur Vermeidung von kalten Fingern gibt es zwei
Möglichkeiten: Man kann warme Handschuhe anziehen, oder man fährt auf den Meleg
Viz in den ungarischen Bakonywald!
Im November 1982 erhielten wir vom
Verbandswanderwart eine Einladung zur 8. Internationalen Warmwassertour am 5.
und 6. Februar 1983. Spezialitäten jeder Art sind beim Kajak Club Gars immer
sehr gefragt, und so fanden sich nach und nach 8 Paddler für die Fahrt nach
Ungarn. Da über den Fluss nichts bekannt war (auch im neuen SO-Europa-Führer des
DKV nicht erwähnt!), und die Ausschreibung widersprüchliche Ortsangaben
enthielt, warteten wir mit Neugierde auf nähere Details. Weil wir uns den Umweg
über Budapest, wo der offizielle Treffpunkt gewesen wäre, sparen wollten,
informierte man uns, dass der Startplatz bei Nagytarkanypuszta sei. Auf meiner
Balaton-Spezialkarte konnte ich dieses 100-Seelen-Dorf sogar finden, der Meleg
Viz allerdings entspringt erst dort im Umkreis von 2 km. Die Spekulationen über
den merkwürdigen Fluss verfolgten mich bis in meine Träume, zumal ja von 20 Grad
Wassertemperatur die Rede war.
Am Freitag, 4. Februar, brachen
wir abends mit Campingbus. und Anhänger auf und erreichten nach einigen
Zwischenfällen den Grenzübergang Klingenbach-Sopron, wo man unseren
Vorwärtsdrang eine Stunde unterbrach. Die Tiefebene der Raab durchquerten wir
dann flott und so erreichten wir um Mitternacht Sümeg, das Hauptquartier der
Veranstaltung (200 km südöstlich von Wien). Am Fuße der alten Arpadenfestung
parkten wir unseren „Bergepanzer“ und nächtigten im Wagen.
Strahlender
Sonnenschein und minus 6 Grad weckten die müdesten Schläfer. Nach einer
Stadtbesichtigung fuhren wir in das 6 km entfernte Dorf, wo wir um 11 Uhr das
Treffen vereinbart hatten. Aus verschiedenen Bauxitminen strömen hier heiße
Quellen, die sich rasch zu einem kleinen Bach vereinigen. Über einen Fahrweg
bachabwärts entdeckten wir gleich darauf die Einsatzstelle, wo schon einige
Paddler warteten. 4 m breit, 20 cm tief und leicht dampfend präsentierte sich
uns der Meleg Viz, das obligate Badethermometer zeigte 20 Grad Wassertemperatur.
Nach Jahren auf Gebirgs- und Gletscherbächen, die auch im Hochsommer kaum 10
Grad erreichen, steht auch ein Wildwasserfahrer ehrfurchtsvoll vor so einem
Bächlein.
Gegen Mittag trafen dann die Paddler scharenweise ein: Aus
Autobussen, Riesenanhängern und Lastwägen ergossen sich 180 Starter mit Kajaks,
Canadier und Indianerkanus in das schmale Bachbett. Nach einigen 100 Metern mit
viel Grundberührung mündete von rechts ein ergiebiger Warmwasserzustrom, der zu
ein paar Kenterrollen einlud. Unten warm, oben kalt – eine verkehrte Welt! Kalte
Finger auf der folgenden Strecke waren leicht durch Aufwärmen im Wasser zu
vermeiden. Eingerahmt von Wald und Wiesen, zunächst noch hügelige, dann
zunehmend flachere Landschaft, schlängelte sich der Paddlerwurm durch den 2 m
bis 6 m breiten Bach, wobei es wiederholt zu Querschlägern und Kenterungen kam.
Als einziges Hindernis musste nach etwa 5 km ein alter, ca. 6 m hoher Staudamm
übertragen werden. Zum allgemeinen Gaudium startete ich von der steilen
Grasböschung schwungvoll ins Wasser, bei Schnee wären hier spektakuläre Einlagen
möglich. Bald darauf erreichten wir das Etappenziel, die Brücke bei Gyepükajan.
Das prachtvolle Wetter veranlasste ein paar von uns, noch 3 km weiterzufahren,
ein paar alte Wehranlagen bildeten hier die Hauptschwierigkeiten der ganzen
Tour. Für offene Kanus gab es hier tatsächlich manche Probleme. Eine
kulinarische Besichtigungstour zum 30 km entfernten Plattensee rundete unser
Nachmittagsprogramm ab, abends trafen dann alle Teilnehmer im Festsaal von Sümeg
zusammen, wo nach feierlichen ungarischen Ansprachen jeder Urkunden, Wimpel und
Aufkleber erhielt. Die Nacht verbrachten wir in einem netten Privatquartier, der
Morgen überraschte uns durch einen überreichen Frühstückstisch sowie weniger
erfreulich starken Schneefall. Trotzdem fehlte kaum ein Paddler beim Start in
Gyepükajan, bewundernswert vor allem die vielen Frauen und Kinder, die im
Februar bei so einer Fahrt begeistert mitmachen. Österreich ist in dieser
Beziehung ein armes Land! Bei anhaltendem Schneetreiben führte die zweite Etappe
am Meleg Viz durch einen endlosen Schilfdschungel, der jede Aussicht verdeckte.
Nach 2 Stunden erreichten die ersten das Ziel, die Brücke der Hauptstraße Sopron
– Sümeg, welche wir 2 Tage zuvor überquert hatten ohne den, Fluss zu bemerken.
Wir verabschiedeten uns von den ungarischen Kameraden und reisten durch den
winterlich verschneiten Bakonywald zu einer Wildbret-Csarda, die uns längere
Zeit in Anspruch nahm. Die Heimreise mit unserem Achttonner auf ungeräumten
Straßen verlief strapaziös, dennoch wird diese Ungarnfahrt nicht die letzte
gewesen sein!
Kurzbeschreibung Meleg Viz:
Fahrtstrecke: Nagytarkanypuszta (Nyirad) bis Hauptstraße Sümeg ca. 18 km.
Schwierigkeiten: flottes, schmales Zahmwasserbächlein. Befahrungszeit: Angeblich
ganzjährig, im Winter besonders reizvoll.
Meleg Viz-Fahrt 1984
Bis kurz vor dem Abreisetermin haben mich noch Anmeldungen für die
Warmwasserfahrt erreicht, entsprechend schwierig war es für die Organisatoren,
die Veranstaltung in gewohnter Ordnung durchzuziehen. Ein beeindruckendes Bild
ergab sich nach dem Treffen am Grenzübergang Klingenbach: 16 Autos mit Booten
beladen fuhren im Gänsemarsch durch die ungarische Tiefebene. Niemand wusste
genau, wie viel Paddler unterwegs waren, trotzdem gelang es, alle mit Quartieren
zu versorgen. Für die Zukunft sei aber empfohlen, dass jene, die auf
Massenveranstaltungen weniger Wert legen, einen anderen Zeitpunkt wählen,
um
die regionalen Kapazitäten nicht zu überfordern. Eine Befahrung des Meleg Viz
ist auch im Sommer möglich, ideal dürfte aber der April sein. Übrigens ist die
Fahrt inzwischen so populär, dass sogar Reisebüros Angebote machen
Ketöly
Patak
Auf Empfehlung unseres ungarischen Betreuers befuhren wir am Sonntag einen
zweiten Bach, den Ketöly Patak, welcher im Quellgebiet des
Meleg Viz bei Nyirad entspringt, aber südwärts zum Plattensee fließt. Ein kurzes
Stück (5 km) von Odörögd bis zur Brücke vor Tapolca bietet für ungarische
Verhältnisse rassiges Wildwasser (I-II), die Problemstellen sind vorwiegend
kleine Brücken und Buschwerk in schneller Strömung. Die Wassertemperatur liegt
leider unter 10 Grad, Raureif und Schnee haben uns die winterliche Jahreszeit
wieder deutlich gemacht. Den Höhepunkt und Abschluss des Tages bildete ein
Ausflug auf den Rodelhang neben dem Bach, der Taifun zeigte hier enorme
Gleiterqualitäten, zwei Rodler erreichten nicht nur das Wasser, sondern landeten
erst in der gegen-überliegenden Wiese! Ein Volksfest sondergleichen! (Vor
Nachahmung wird gewarnt, riskante Sportart!!)
Verbandsführungsfahrten ’83 – eine Erfolgsbilanz?
Im Herbst 1982 einigten sich die
Wanderwarte des Verbandes, durch verstärkte Veranstaltung von Führungsfahrten
ein attraktives Wandersportprogramm zu bieten. Über fünf dieser Fahrten will ich
hier berichten.
Schon am 20. März hatte der KC Gars zur Fahrt auf den oberen
Kamp eingeladen. Bei erträglichem Wetter trafen sich etwa 25
Paddler aus 4 Vereinen und erlebten bei gutem Wasserstand die herrliche
Waldschlucht von Roiten bis Zwettl. Im Labyrinth der Granitblöcke ging niemand
verloren, ein paar Kenterungen waren im Sinne von Pfarrer Kneipp zu vertreten.
Leider führte die Hektik einiger Gruppen zu einer völlig unkoordinierten
Auto-Pendlerei.
Der Kampmarathon am nächsten Wochenende, Palmsonntag verlief
wieder einmal unter dem Motto „ich möchte ein Eisbär sein“. Dass trotzdem 11
Vereine mit 46 Teilnehmern am Start waren, bestätigt das Erfolgsrezept dieser
Veranstaltung, die für den 15. April 1984 erstmalig mit internationaler
Ausschreibung geplant ist.
Eine der schönste Fahrten gelang
dem Linzer FC am 17. April. Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich etwa 35
Paddler im Mühlviertel, um die Große Naarn und die
Waldaist kennen zu lernen. Bei idealem Wasserstand erlebte der
Kraftwerkskatarakt seine erste Massenbefahrung. Diese gefällstarke, reißende
Passage (WW IV) war gut abgesichert, so dass auch weniger routinierte Fahrer auf
kleine Gruppen aufgeteilt den wilden Ritt wagten. Einige rasante Kenterungen
zeigten dann die die Grenzen, bis zu welchen man als Veranstalter von
Führungsfahrten gehen kann. Mit der Nachmittagsfahrt auf der Waldaist von
Riedlhammer bis zur Feldaistmündung wurde ein Tag vollendet, den sicher alle in
bester Erinnerung behalten werden.
Eine ganz andere Dimension hatte die
Wanderfahrt auf der March am 28. und 29. Mai. Die fünfköpfige
Mannschaft des KC Gars erlebte zur Abwechslung eine richtige Kanuwandertour
alter Schule mit allem Zubehör (Proviant, kistenweise, für zwei Tage). Ein
Kreislaufkollaps am ersten Tag dürfte auf die enorme Hitze zurückzuführen sein.
Sonst gab es nur Zwerchfellerschütterungen, für die Poldi Reindl am laufenden
Band sorgte. Zum Abschluss wurde bei der Ruine Theben die Donau unter Aufsicht
der Strompolizei überquert: alle Teilnehmer waren sich einig, dass diese schöne
Fahrt mehr Teilnehmer verdient hätte!
Auf allgemeinen Wunsch veranstaltete
der KC Gars am 18. September eine Fahrt am Mühlkamp, welcher
bei Faltbootfahrern früher sehr beliebt war. Merkwürdigerweise war von den
wortführenden Vereinen keiner am Start. 16 Paddler aus Pöchlarn und Gars
verbrachten jedenfalls einen schönen Sonntag-Nachmittag in den Auwäldern von
Grafenegg bis Altenwörth.
Wenn ich diese Fahrten z. B. mit der ungarischen
Warmwasserfahrt (siehe ÖKS 2/83) vergleiche, muss ich feststellen, dass unsere
Bemühungen noch stark in den Geburtswehen stecken, der gute Ansatz darf aber
nicht übersehen werden. Neben der oft sehr geringen Beteiligung fiel mir eine
starke Cliquenbildung der Vereine am unangenehmsten auf. Die einzelnen Gruppen
zeigen untereinander familiäre Zusammengehörigkeit, nach außen hin jedoch
verhalten sie sich wie Passanten in der U-Bahn. Da wird selbständig gestartet,
vorne weg gefahren, und nach dem Rennen zerstört die Abreisehektik jedes
Rahmenprogramm. Diesem Problem vieler Vereine (Isolierung, Probleme mit
Neumitgliedern) entgegenzutreten wird die Hauptaufgabe folgender Veranstaltungen
sein. Bedauert wurde schließlich auch die fehlende Präsenz von
Vorstandsmitgliedern des Verbandes (mit Ausnahme von Wanderreferent Fries).
Vorschläge von Lesern werden wie immer gerne angenommen!
Urlaubsfahrten auf leichtem Wildwasser
In kurzer Zeit kann heute fast jeder Anfänger die notwendigen Voraussetzungen
für den II. und III. WW Grad erlernen. Nur wenige hingegen bringen den
notwendigen Trainingseifer für schwereres Wasser auf, so dass eine große Zahl
von Paddlern Gewässer wie die Salza bevorzugt, nicht zu leicht, nicht allzu
schwer, beeindruckende Landschaft, klares Wasser usw.. Für den Fahrtenleiter,
der – wenn auch mit Hilfe der neuen DKV-Auslandsführer – einen solchen Urlaub
plant, keine leichte Aufgabe. Die folgenden drei Urlaubsfahrten können zur
Wiederholung empfohlen werden!
Frankreich:
Im Mai 1980 war das französische Zentralmassiv unser Reiseziel. Die Paradeflüsse
Ardeche und Tarn mit ihren tiefen
Kalkschluchten muss man erlebt haben, aber auch in der unmittelbaren
Nachbarschaft bieten Ceze, Chassesaz, Beaume, Loire und viele
andere Flüsse herrliche Landschaft auf leichtem Wildwasser (WW I-II).
Detaillierte Beschreibungen findet man im DKV-Auslandsführer Bd.3, Auflage 1983,
sowie in „Wildwassertouren in den Alpen“ von Robert Steidle, BLV 1980.
Italien:
Vom 1. bis 7. Mai 1983 durchstreifte der Kajak Club Gars den italienischen
Apennin zwischen Bologna und Piacenza. Die lobenden Beschreibungen von Hans Matz
wurden noch übertroffen, besonders die Trebbiaschlucht darf mit
Ardeche und Salza zu Europas schönsten Wanderfüssen gezählt werden!
Aveto, Enza und Secchia bieten ebenfalls herrliche,
einsame Schluchten und sauberes Wasser ohne große Probleme und Hindernisse (WW
II-III), Ceno, Scoltenna und Panaro runden das Wochenprogramm
ab; mit dem Dolo, welcher bei Cerredolo in die Secchia mündet,
entdeckten wir einen spritzigen schönen Bach (8 km, WW II-III). Gegenüber dem
DKV-Auslandsführer Bd. 2. Jg. 1980, ergaben sich einige Änderungen durch
schweres Hochwasser im Winter 1982/83 (Ceno: Unfb. Stelle nach km 25, jetzt fb.,
WW III-IV. Enza: ca. km 20 eine Stelle WW IV-V), die Schwierigkeitsangaben
erschienen uns etwas übertrieben (Neuauflage in Arbeit).
Griechenland:
Wie lange Griechenland noch zu den Superlativen für den WW-Wanderer zählt, hängt
vom Baufortschritt und von den Finanzen der Industrie ab. Für Griechenlandkenner
war jedenfalls unser Urlaub vom 2. bis 11. Juni 1983 eine Folge von
Tiefschlägen, für Unvoreingenommene bleiben aber hoffentlich einige lohnende
Reststrecken der Zukunft erhalten. Ein ortskundiger, nervenstarker, geduldiger
Chauffeur sowie ein halbwegs geländegängiger Wagen sind Voraussetzungen für
griechische Wildflüsse!
Der Arachthos von km 30 (Valduma)
bis km 71 (Plaka) bietet eine äußerst beeindruckende Tagestour. Für den riesigen
Schlusscanyon fehlen einem die Worte, der Fluss durchschneidet das Gebirge
anscheinend an seiner höchsten Stelle. Nur eine Passage bringt größere Probleme,
dieser Katarakt (WW IV) kann aber leicht umtragen werden. Leider sind bei km 45
bereits Sprengarbeiten für eine Talsperre im Gang! In Verbindung mit dem
Arachthos-Canyon offenbart ein Start auf dem Kallaritikos bei der der
Türkenbrücke oberhalb von Chritu eine Schluchtentour der Superlative. Mit
Realisierung des bereits begonnenen Zerstörungswerkes am Schluchteingang dürfte
die junge Befahrungsgeschichte dieses Traumbaches schon wieder beendet sein.
Der Acheloos, idealer Expeditionsfluss unserer Paddler-Ahnen,
wird zunehmend verstümmelt. Der verheerende Straßenbau durch die steilen
Schluchtwände wird allerdings folgenden Paddlern einige Vereinfachungen bringen,
so dass der Fluss in Zukunft als Tagestour bis Pigai (Pijae) zu empfehlen sein
wird. Von dort führt eine schlechte Straße ca. 100 km über Kalendini bis Arta.
In Verbindung mit einer Besichtigung des einmaligen Vikos-Canyons empfiehlt sich
eine Befahrung des des unteren Voidomatis, welcher normalerweise erst am
Schluchtende das leere Flussbett füllt. Eine Wanderung von Monodendri zu den
Aussichtsplätzen oder durch den ab Mai trockenen Canyon selbst bietet Eindrücke,
die mit Verdon-Erlebnissen vergleichbar sind. Von der Brücke Aristi-Papingon weg
führt der Voidomatis mit reinstem Trinkwasser ohne
Schwierigkeiten durch einen märchenhaften Felsgarten 5 km bis zur Hauptstraße.
Die schweren Passagen vom Quelltopf bis zur Brücke können von Vikon mittels
Fußmarsch erreicht werden (siehe OKS 5/6/78).
Tief drinn‘ im Böhmerwald … Zwei Kostproben aus Böhmen: Maltsch und
Blanice
Der Böhmerwald, genauer: das Böhmische Massiv, erstreckt sich von der
bayerisch-böhmischen Grenze über das Mühlviertel bis ins Waldviertel. Unser
Kajak Club Gars ist am Ostrand dieser herrlichen Landschaft zu Hause, über Wald-
und Mühlviertler Spezialitäten haben wir schon oft berichtet. Der Bayerische
Wald wird noch als Geheimtipp gehandelt (Wolfensteiner Ohe, Reschbach WW IV-V),
im folgenden wollen wir von einem Kurzausflug in das Herz des Böhmerwaldes
erzählen.
Schon oft waren wir mit der tschechischen Staatsgrenze in Berührung
gekommen: Die Mährische Thaya kommt von „drüben“ und verlässt mit der Thaya
Österreich bald wieder; von der Lainsitz mussten wir bei Gmünd Abschied nehmen.
Die Visaprobleme hielten uns lange zurück, bis dann die Neugierde überwog und
wir im Herbst 1982 eine Kundfahrt nach Brünn unternahmen. Die ausführlichen
Beschreibungen im neuen DKV-Auslandsführer (Band 1b, 1981) unterstützten unsere
Planungen, ich nehme im weiteren darauf Bezug. Bei unserer herbstlichen Fahrt
querten wir die Oslava, welche mit dem Kamp ober Rosenburg zu vergleichen wäre,
vielleicht eine lohnende Frühjahrsfahrt, die von Wien leicht als Tagesausflug zu
machen ist.
Nach diesen ersten Erfahrungen mit dem Eisernen Vorhang besorgten
wir uns im März 1983 wiederum Visa, welche 3 Monate gültig sind. Am 9. April
starteten wir mit 6 Mann zu einer Wochenend-Expedition, wobei die Maltsch unser
erstes Ziel war. In Zwettl mussten wir feststellen, dass der Wasserstand im
Waldviertel bereits sehr stark gesunken war (Pegel Zwettl Bahnbrücke 165 cm).
Die Maltsch entspringt bei Sandl im Mühlviertel am 1112 m hohen
Viehberg. Wir folgten ihrem Lauf; ab Mayrspindt bei Windhaag führt die Straße
neben dem die Staatsgrenze bildenden Bach. Er sollte hier bereits einen
fahrbaren Eindruck machen, sonst lohnt die Reise nicht. Zwei Kilometer weiter
fanden wir bei Hammern einen Pegel, der 65 cm zeigte, was doch zu wenig sein
sollte (80 cm untere Grenze). Bei Wullowitz nördlich von Freistadt erreichten
wir den Grenzübergang. Der „Österreicher“ war nach einem kurzen, heiteren
Wortwechsel erledigt; die tschechische Seite erfordert Geduld: Warten,
Zwangsumtausch (210 öS/Tag),
Warten, Zollkontrolle, Warten. Nach 45 Minuten
ist der Weg frei; gleich zwei Kilometer nach der Grenze zweigen wir rechts ab,
um bei Rychnov in die Malse einzusetzen. Während die Fahrer ihre Autos
auspendeln, besucht der durstige Rest das Dorfwirtshaus, wo in uriger
Kuhstall-Atmosphäre das Bier um 2 Kronen (3 öS) zu haben ist. Auch der
Provianteinkauf im Geschäft gegenüber verdeutlicht, dass wir die Grenze zweier
verschiedener Welten überschritten haben, die an Landschaft und Vergangenheit
doch soviel gemeinsam besitzen. Die Fahrt auf der Maltsch beginnt in einem
breiten, aber sehr seichten Flussbett. Die folgenden 16 km bis Kaplitz führen
durch eine einsame, kleine Waldschlucht, die bei schönem Wetter und höherem
Wasserstand sicher attraktiv ist, jedoch kaum den II. WW-Grad erreicht. Wir
kommen wegen der zu niedrigen Wasserführung nur sehr mühsam weiter, es ist schon
sehr spät als wir Kaplitz erreichen. Unsere drei Gelegenheitspaddler sind
erschöpft und steigen aus, während Hans, Toni und ich zügig die letzten 8 km in
Angriff nehmen. Jetzt reicht das Wasser endlich, die im DKV-Führer beschriebenen
schweren Schnellen bei Kaplitz bieten bei netter Verblockung Abwechslung (WW
II). Auch ein Slalom ist hier ausgehängt! Etwas weiter bringt die Cerna von
rechts reichlich Wasser, dieser Bach scheint interessant zu sein! Der
herangewachsene Fluss bringt uns rasch durch schöne Landschaft zur Brücke bei
Poresin, wo unser Auto steht. Die Folgestrecke ist angeblich schon aufgestaut.
Bei hereinbrechender Dunkelheit erreichen wir die wartenden Freunde, die von der
durchwegs äußerst freundlichen Bevölkerung bereits versorgt worden sind. Eine
Passkontrolle durch einen Grenzposten bei Rychnov verläuft überraschend
befriedigend, dass unsere Pässe im Zuge der Autotauscherei verwechselt sind,
fällt nicht auf! Wir reisen weiter nach Budweis, wo wir uns in einem Hotel am
berühmten alten Marktplatz einquartieren, und versuchen, den Pflichtumtausch in
feste und flüssige Nahrung umzusetzen.
Regnerisch beginnt der nächste
Tag, immerhin haben wir nun Hoffnung auf ausreichenden Wasserstand auf der
Blanice. 40 km westlich von Budweis irren wir durch das alte
Städtchen Prachatitz, endlich finden wir die Landstraße zur geplanten
Ausstiegstelle bei Zablati. Ein kräftiger Wildbach rauscht uns entgegen, der
Pegel zeigt 55 cm,laut DKV-Führer also ausreichender Wasserstand! Die
Anstrengungen des Vortages und die angekündigten Schwierigkeiten (WW IV bei 20
Promille Gefälle) verhelfen uns zu zwei freiwilligen Chauffeuren, und so setzen
wir kurz darauf zu viert bei der Blanice-Mühle ein. Der Pegel 300 m nach dem
Start zeigt 70 cm. Die Blanice entspringt nördlich des Moldau-Stausees in über
1200 m Höhe, die Wälder speichern den Schnee weit ins Frühjahr hinein. In
nördlicher Richtung zieht der Bach zur Otava und weiter zur Moldau. Unsere
Fahrtstrecke führt durch eine enge, tiefe Waldschlucht, die urwaldähnliche
Eindrücke hinterlässt. Auch der Bach hat viel zu bieten: Gefällstark und leicht
verblockt rauscht er um die Kurven, die Ruine Hus flitzt viel zu schnell vorbei,
wir müssen auf unseren Jungpaddler Husak Rudi aufpassen, dem es auch zu schnell
wird und der zweimal dem Wassergott opfert. Einige rasante Kombinationen
erreichen knapp den III. WW-Grad, sonst sinkt die Schwierigkeit nie unter WW II
auf der 12 km langen Strecke. Viel zu schnell sind wir am Ziel, alle sind von
dieser Perle des Böhmerwaldes begeistert.
Unsere Wagenlenker haben sich
inzwischen mit einer alten Bäuerin unterhalten. Für sie sind Paddler hier an der
Tagesordnung, deutsch hat sie aber schon lange nicht mehr gesprochen. Als Joe
ihr das Böhmerwaldlied vorsingt, ist sie ganz gerührt und bringt jedem eine
Schale Kaffee. Den riesigen Moldau-Stausee entlang reisen wir heimwärts, erst
nach zwei Stunden finden wir in Vyssi Brod (Hohenfurth) eine Gastwirtschaft, in
der wir unsere hungrigen Mäuler stopfen können. Den Pflichtumtausch aber bringt
man mit der größten Völlerei nicht an den Mann!
Der Grenzübergang bereitet
diesmal keine Probleme, zwei Stunden später kamen wir zu Hause an, um einige
Eindrücke und Erlebnisse reicher.
Wenn auch die Grenzübertrittsschikanen zur
Zeit wenig einladend wirken, so lohnt doch ein Besuch beim nördlichen Nachbarn,
sei es auch nur um der Erkenntnis willen, dass die Welt beim Eisernen Vorhang
nicht aufhört!
Kurzbeschreibung:
Maltsch: 24 km von Rychnov bis
Poresin, WW I
Blanice: 12 km von Blanice mlyn bis Zablati, WW II
Befahrungszeit: März bis April (wie Oberer Kamp, Waldaist, Rodl).
Bewertungsvergleich: Salza bis Fachwerk, Kamp ab Roiten WW II+
Empfehlenswerte Neuentdeckung: Die Große Isper
Beinahe wäre der Bach noch vor seiner Erstbefahrung verbaut worden, nur dem
Einsatz einer ökologisch orientierten Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass
mit folgendem Bericht eine neue lohnende Frühjahrsfahrt im Waldviertel empfohlen
werden kann!
Die Isper entspringt im Weinsberger Wald in etwa 1000 m Höhe und
zieht, wie die Mühlviertler Flüsse, gefällstark in südlicher Richtung zur Donau.
Die Steilzone im Oberlauf ist als Isperklamm bekannt, mit dem Kajak ist hier
aber noch nichts auszurichten. Erst 5 km weiter unten beginnt die Große Isper
kanusportlich interessant zu werden, schon mehrmals hatte ich mit einer
Befahrung geliebäugelt.
Am Ostersonntag, 4. April 1983, durchstreifte der KC
Gars das Waldviertel. Großer und Kleiner Kamp führten zu wenig Wasser, umso
überraschter waren wir, auf der Isper mehr als eine feuchte Kellerstiege
vorzufinden. Bei der Ortschaft Ysper setzten wir in den zunächst noch 5 m
breiten Bach ein. Nach einigen Mäandern und Wehranlagen beginnt einen Kilometer
unter Altenmarkt die überaus lohnende Steilzone. Etwa 5 km weit bietet die Große
Isper mit nahe 30 Promille Gefälle abwechslungsreiches Wildwasser, welches in
einigen verblockten Stufen an den Schwierigkeitsgrad IV herankommt. Die
glücklicherweise nicht ausgebaute Straße führt immer neben dem Bach entlang,
sodass auch die Begleiter etwas zu sehen haben (ein Straßenausbau würde den Bach
sicher zerstören). Allmählich sinkt das Gefälle,bald erreicht man die
Vereinigung mit der Kleinen Isper, welche die Isper auf 10-15 m Breite anwachsen
lässt. Von hier kann man noch gut 2 km auf schönem, leichtem Wildwasser
weiterfahren, der letzte Kilometer bis zur Donau kann wegen zweier
problematischer Wehranlagen nicht empfohlen werden. Bei der Brücke kurz unter
der Ausstiegstelle findet man den Pegel Isperdorf, er sollte zumindest 160 cm
zeigen. Diesen Wasserstand trifft man während der Schneeschmelze im Waldviertel,
im März oder April, an (Pegel Zwettl Bahnbrücke ab 190 cm), somit kann die Isper
noch vor den Wildwasserperlen Große Krems und Kleiner Kamp empfohlen werden!
Kurzbeschreibung Große Isper:
Empfohlene Fahrtstrecke: Von 1 km unter
Altenmarkt bis 1 km vor Isperdorf 12 km. Schwierigkeiten: II-III bei Pegel 160
cm Isperdorf, darüber bis -IV.









